Nach nunmehr acht Monaten nach wie vor von uneingeschränkter Gültigkeit: Corona allenthalben!


Ich darf von Glück sagen, bisher(!!!) bin sehr weich gefallen, auch der Sommer bei den Kreuzgangspielen Feuchtwangen fand statt mit einem ausserordentlichen Sonderprogramm unter dem Titel „Passionen” nach Giovanni Boccaccios „Decamerone” in der Regie von Johannes Kaetzler, sieben Premieren in sieben Wochen, jeder Abend bestehend aus zwei Novellen, teils gespielt, teils erzählt, die Wiederentdeckung sehr ursprünglicher Formen von Theater, reduce to the max!
Gemeinsam mit Bernd Meyer, unserem langjährigen musikalischen Leiter und Pianisten lag die musikalische Einrichtung und schauspielerische Erarbeitung der Liedbeiträge in meiner Verantwortung, eine schöne Erfahrung, für die ich dankbar bin!
Fazit: Sieben Wochen erfolgreiche Theaterarbeit, möglich nicht zuletzt durch den erklärten politischen Willen der Stadtoberen in Feuchtwangen, die unter allen möglichen Umständen die Kreuzgangspiele unterstützt haben!
Sieben Wochen erfolgreiche Theaterarbeit unter Bedingungen und Maßgaben in allen Bereichen vor, auf und hinter der Bühne, die der Pandemiesituation angepasst waren!


Nun durfte ich gerade zum zweiten Mal nach März diesen Jahres in Bern den Herbst - Lockdown erleben…
Im Frühling starb für mich die Premiere von „Ich bin wie Ihr, ich liebe Äpfel” von Theresia Walser am Theater an der Effingerstrasse in Bern, vergangene Woche erwischte es uns wieder in Bern mit der Premiere von „Nach der Probe” von Ingmar Bergman! Eigentlich hätten wir ab 31.10.2020 gespielt, nun aber auf unbestimmte Zeit verschoben…


Der Plan ist, sobald als möglich das Haus wieder zu eröffnen mit dieser bis zur Generalprobe gearbeiteten Produktion…


Ich hoffe auf ein Wiedersehen in Bern!!


Und nun in eigener Sache ein Pamphlet:
Allenthalben ist die Rede davon, dass eine Spaltung durch die Gesellschaft geht…
Der Punkt ist erreicht, an dem auch ich diese Spaltung spüre, dergestalt, dass ich kein Verständnis mehr habe dafür, dass immer dieselben Gruppen betroffen sind von den Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens. Existenziell betroffen!
Ich gehöre einer Berufsgruppe an, die ein vitales und elementares Interesse daran hat, dass Menschen sich bewegen und zusammenkommen können. Allein schon aus diese Bewusstsein heraus entwickelt sich ein Verhalten, das man wohl als situativ angepasst und vorsichtig bezeichnen darf. Viele Betroffene, ob Veranstalter, Gastronomen, Musiker oder Darstellende selbst haben sich erfolgreich bemüht, Risiken der Ansteckung zu minimieren, um auf diese Weise weiter tätig bleiben und in Erscheinung treten zu können und nach meiner Kenntnis sind bisher keine nennenswerten „Hotspots” im Kontext mit Kultur - wohlgemerkt: Kultur, nicht Freizeit! - zu verzeichnen.
Die Kultur ist ein hohes Gut, das in guten Zeiten von den Würdenträgern der Nation gerne als Insignium der aufgeklärten abendländischen - eben: Kultur vor sich hergetragen wird. Kultur ist keine reine Freizeitgestaltung. Den Kulturschaffenden die Möglichkeit zu lassen, Kultur zu schaffen und denjenigen, die sich als Rezipienten am Diskurs beteiligen wollen, die Möglichkeit zu geben, Kultur zu erleben, auch das gehört in den Verantwortungs- und Abwägungsbereich der Exekutive!
Kulturschaffende sind aktuell überproportional stark betroffen von einem faktischen Berufsverbot. Keine Kulturveranstaltungen, kein Theater, das heisst: Es gibt keine Arbeit qua Erlass. Selbst wenn ich mich noch so sehr bemühen würde: Ich bin zur Arbeitslosigkeit verdammt.
Ich bin weiss Gott kein Aluminiumhut und ich leugne die Brisanz der Situation nicht! Allein: Durch das - ohnehin schon - Prekäre der allgemeinen Beschäftigungslage, durch das teils ersatzlose Wegbrechen von Einkünften aufgrund der verordneten Maßnahmen sind Kulturschaffende in einem Umfang betroffen, der vielen anderen Berufsgruppen in diesem bedrohlichen Ausmaß - zum Glück - erspart bleibt. Die Mittel und Möglichkeiten, Betroffenen unter die Arme zu greifen oder sie ähnlich würdevoll in die Überlegungen einzubeziehen, wie hier geholfen werden kann, werden aktuell unzureichend und unbefriedigend umgesetzt. Man fühlt sich nicht gesehen und sieht sich als Bauernopfer, das, in Ermangelung einer entsprechend lautstarken Lobby, im Zweifelsfall über die Klinge springen kann.
Sicher gibt es viele Eventualitäten zu bedenken und zu beachten und wir sind alle Menschen, die fehlbar sind.
Aber wenn ein elementarer Zweig volkswirtschaftlichen Handelns und ein Grundpfeiler der Identität von Gesellschaft plötzlich die Wertigkeit von Freizeitgstaltung angeheftet bekommt, dann ist das Anlass zu Besorgnis.
Wir brauchen Solidarität, nicht als Einbahnstraße, sondern in alle Richtungen!